Wir stecken mitten in den Arbeiten zu unserem Projekt a!. Zeit, einmal genauer vorzustellen, woran wir tüfteln. Wir haben mit unserem Entwickler Franck über Code, Bugs und Schokolade gesprochen.

Für unser Verbundprojekt feilen L-Pub und seine Projektpartner an innovativen Technologien für den Fremdsprachenerwerb (L-Pub berichtete). Wir möchten einen Blick hinter die Kulissen von a! werfen: An was arbeiten wir eigentlich? Und wer steckt hinter der technischen Entwicklung?

Im Rahmen des Projektes entwickelt L-Pub gemeinsam mit Ernst Klett Sprachen GmbH und dem UKP Lab der Technischen Universität Darmstadt innovative Ansätze für den Fremdsprachenerwerb und implementiert diese als Softwarelösungen. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Werkzeuge ist ein Tool zur automatischen Textanalyse. L-Pub hat sich mit seinem Entwickler Franck Valentin unterhalten.

Franck Valentin, Entwickler bei L-Pub

L-Pub: Franck, du arbeitest momentan vor allem an unserem Werkzeug zur Textanalyse. Wie muss man sich dieses Tool und seine „Fähigkeiten“ vorstellen?

Franck: Unser LLE, wie wir den „Language Level Evaluator“ kurz nennen, analysiert Texte der Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Aus Endnutzersicht ist die Analyse denkbar einfach: Der Nutzer lädt einen beliebigen Text hoch und erhält nach kurzer Zeit umfassende und grafisch aufbereitete Informationen zu seinem Text – wie etwa zu Satzlängen und -strukturen, zur Verteilung bestimmter grammatikalischer Phänomene oder zur Schwierigkeit der Wörter, die im Text erscheinen.

L-Pub: Und wem hilft eine solche Textanalyse?

Franck: Im Prinzip jedem, der seine Texte den Anforderungen einer bestimmten Leserschaft anpassen möchte. Das können Lehrkräfte sein, die niveaugerechte Lektüre für ihre Kursteilnehmer erstellen möchten, aber genauso gut Lernende, die wissen möchten, ob ein Text für ihre individuellen Sprachkenntnisse geeignet ist. Auch Verlage können ihre Texte so auf die Tauglichkeit für ihre Zielgruppe überprüfen. Im Rahmen des Projektes a! dienen die Ergebnisse des LLE vor allem als Basis für die automatische Erstellung adaptiven Übungsmaterials. Diese Übungen sollen sich in Textauswahl und Schwierigkeit den Fähigkeiten und Kenntnislücken des einzelnen Sprachlerners anpassen.

L-Pub: Kann man dieses Werkzeug schon nutzen oder sind die Arbeiten daran noch in vollem Gange?

Franck: Ein bisschen von beidem. Meine Kollegen und unsere Projektpartner nutzen das Werkzeug bereits intern, um Textmaterial nach bestimmten Kriterien einzuordnen – auch unabhängig vom Fremdsprachenlernen. Gleichzeitig arbeite ich seit knapp einem Jahr praktisch ausschließlich am LLE. Im Wesentlichen bin ich für die Systemarchitektur sowie das Coden und Warten des Front- und Backends verantwortlich. Unsere Projektpartner und wir haben auch schon konkrete Überlegungen dazu, wie die Nutzung des LLE für Endkunden aussehen wird, und manche der Funktionalitäten sind bereits umgesetzt. Die genauen Pläne dazu sind allerdings noch „top secret“.

L-Pub: Wir sind gespannt! Alles in allem klingt das aber nach einer Menge Arbeit für dich als Entwickler.

Franck: Ja, das ist es durchaus. Aber auch sehr spannend.

L-Pub: Welcher Teil deiner Arbeit stellt für dich denn die größte Herausforderung dar?

Franck: Die Vielfältigkeit der Aufgaben und der Themenbereiche, in denen ich mich auskennen muss, ist sehr hoch. In vielen Softwareprojekten teilen sich mehrere Entwickler die Arbeit modular auf: Einer entwickelt die Datenbank, der zweite arbeitet am Backend, ein dritter kümmert sich um das Frontend, und dann gibt es oft noch jemanden, der sich dezidiert dem Design der Benutzeroberfläche widmet. Es gibt bei L-Pub zwei Hauptentwickler, Battista und mich, aber im Wesentlichen arbeiten wir an völlig unterschiedlichen Produkten. Da ich somit der einzige Entwickler bin, der sich mit dem LLE beschäftigt, bin ich für alle genannten Bereiche alleine zuständig. Dadurch fehlt manchmal der Austausch mit anderen Entwicklern, die das Produkt und den Code gut kennen und auch einmal Denkanstöße liefern oder auf mögliche Probleme hinweisen können. Und Zeit wird dadurch natürlich auch schneller zum Problem …

L-Pub: Inwiefern?

Franck: Im Rahmen des a!-Projekts haben wir auch zeitliche Vorgaben, an die wir uns halten müssen. Zu Projektbeginn haben wir mit unseren Projektpartnern einen zeitlichen Ablauf für die großen Aufgabenblöcke festgelegt. Aber es muss nur ein Bug auftauchen, durch den das Tool plötzlich nicht mehr richtig funktioniert – und schon sitze ich zwei Wochen daran, diesen Fehler im Code zu identifizieren und zu beheben. Und die Entwicklungsschritte für die nächsten Funktionalitäten müssen dann natürlich erst einmal warten. Dadurch verschiebt sich schnell alles nach hinten.

Ab und zu genießt Franck beim Programmieren einen schokoladigen Energieschub.

L-Pub: Hast du durch die Arbeit am LLE auch neue Kenntnisse und Fähigkeiten entwickelt?

Franck: Klar. Besonders im Bereich NLP lerne ich auch weiterhin jeden Tag dazu.

L-Pub: NLP steht für „Natural Language Processing”, also die Verarbeitung natürlicher Sprache durch den Computer. Wieso ist dieser Aspekt für den LLE so wichtig?

Franck: Ohne NLP könnte unser Werkzeug eigentlich … nicht viel. Die NLP-Komponenten im LLE splitten den hochgeladenen Text in Sätze, in Einzelwörter – das ist technisch übrigens gar nicht so einfach, wie es klingt – und ordnen die Wörter im Text ihren Grundformen zu. Sie ermitteln also, dass „Bäche“ zu „Bach“ oder „griff (…) ein“ zum Verb „eingreifen“ gehört. Außerdem erkennen sie bestimmte sprachliche Merkmale wie Zeitformen oder Satzbau.

L-Pub: Und das entwickelst du alles selbst?

Franck: Zum Glück nicht, nein! Dann dürfte ich die nächsten Jahre nicht mehr schlafen und bräuchte sehr viel Schokolade, glaube ich … Für manche Einzelkomponenten existieren bereits Module, sogenannte Bibliotheken (engl. libraries). Die muss ich dann testen, anpassen und in unseren Workflow integrieren. Wir verwenden zum Beispiel die Entwicklungsumgebung DKPro , die von unseren Partnern an der TU Darmstadt entwickelt worden ist. Andere Module, wie zum Beispiel die Identifizierung bestimmter sprachlicher Besonderheiten, programmiere ich aber komplett selbst. Das nimmt auch den größten Anteil meiner Arbeit ein.

L-Pub: Hast du denn eine Programmiersprache, die dir besonders gut gefällt?

Franck: Ich programmiere sehr gerne in Scala. Im Gegensatz zu Java, meiner Ausgangssprache, hat Scala viele Funktionalitäten, mit denen man einen sehr präzisen und zuverlässigen Code entwickeln kann. Die Lernkurve ist zwar eher flach, aber diese Investition lohnt sich in meinen Augen auf jeden Fall.

L-Pub: Irgendeine Sprache, die dir nicht so zusagt?

Franck: Ich bin kein besonders großer Fan von JavaScript, das mir vom Design her nicht so gefällt und viele Eigenheiten hat. Glücklicherweise kann man dank alternativer Sprachen, wie beispielsweise Typescript, trotzdem solide Frontends bauen.

L-Pub: Du bist offenbar Entwickler aus Leidenschaft. Was wolltest du werden, bevor du dich für diesen Beruf entschieden hast?

Franck: Entwickler! Das stand für mich schon früh fest. Ich habe einen Master-Abschluss in Computing Science von der ENSSAT und außerdem einen Master-Abschluss in Bioinformatik vom IIE (beide in Frankreich). Zuerst habe ich im Telekommunikationsbereich gearbeitet und bin dann, nach meinem Abschluss als Bioinformatiker, zum EBI (European Bioinformatics Institute) in Cambridge, Großbritannien, gewechselt, wo ich primär an einer Suchmaschine für Biologiedatenbanken gearbeitet habe. Ich wollte schon immer im Bereich Informatik arbeiten, hatte aber auch schon früh Interesse an E-Learning und Kognitionswissenschaften.

L-Pub: Bist du dadurch auch zu L-Pub gekommen?

Franck: Ja, genau. Bevor ich zu L-Pub kam, war mein Interesse an Didaktik und Fremdsprachenerwerb immer mehr gewachsen. Ich arbeitete zu dieser Zeit an einem eigenen Projekt im Bereich Vokabellernen. Ich wollte ein Tool entwickeln, das bestehende Vokabeltrainer auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Lernen und Behalten von Vokabeln verbessert. Leider musste ich die Arbeit an dem Projekt unterbrechen und mir etwas suchen, mit dem man auch tatsächlich Geld verdient. Der Job bei L-Pub war für mich daher ideal: Ich hatte einen bezahlten Entwicklerjob, konnte aber gleichzeitig in meinen persönlichen Interessensgebieten weiterarbeiten.

L-Pub: Was ist deine Vision für den LLE?

Franck: Ich denke, der LLE hat das Potential, einen sehr wertvollen Beitrag für das digitale Fremdsprachenlernen zu leisten. Die Möglichkeit, Texte speziell für eine Zielgruppe auszusuchen, habe ich ja schon erwähnt. Darüber hinaus können wir mit dem LLE leicht Glossare für Fachbegriffe oder Mini-Wörterbücher für bestimmte Lernniveaustufen aufbauen. Außerdem kann man mit dem LLE automatisch Übungen zu bestimmten Grammatikthemen wie Zeiten oder Deklinationen erstellen. Und sobald wir unsere Ergebnisse mit denen des UKP Lab der Uni Darmstadt fusionieren, können wir daraus in Zukunft adaptive, lernerfreundliche Sprachprogramme entwickeln.

L-Pub: Und deine Vision für L-Pub?

Franck: Der LLE ist nur eines unserer Produkte für das Fremdsprachenlernen. Unser Hauptprodukt ist ja das L-Book, ein erweitertes E-Book, in dem der Lerner lesen, nachschlagen, üben und wiederholen kann. Noch arbeiten wir an einem Workflow, mit dem wir die L-Books weitgehend automatisiert erstellen können. Momentan ist der Anteil an manuellem Aufwand nicht unerheblich. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass L-Books das sind, was sich viele Fremdsprachenlerner wünschen: Der Lerner entscheidet selbst, was er liest, was er nachschlägt und was er dann in Übungen vertieft. In mir hätten wir schon einmal einen sehr motivierten Abnehmer: Ich lerne selbst Deutsch und wäre für solche L-Books sehr dankbar.

L-Pub: Danke für das Gespräch, Franck.

Mehr zum LLE und zu unserer automatischen Textanalyse finden Sie hier.

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Dieses Projekt (HA-Projekt-Nr.: 521/17-03) wird im Rahmen von Hessen ModellProjekte aus Mitteln der LOEWE – Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz, Förderlinie 3: KMU-Verbundvorhaben gefördert.

Weitere Information unter www.innovationsfoerderung-hessen.de